Kleins Kolumne - Februar 4/07
Eine kleine Meldung und ihr Hintergrund: Laut Fachblatt Weinwirtschaft bringen deutsche Weine Fachhändlern deutliche Umsatzzuwächse. Bis zu 20 Prozent beträgt ihr Anteil inzwischen. So weit, so schön. Was das bedeutet: Die Leute – vor allem jüngere Konsumenten – fragen gezielt nach deutschen Weinen. Allerhand! Denn das war längst nicht immer so.
Ich erinnere mich an einen Fachhändler, mit dem ich mal sprach – vor acht oder zehn Jahren. „Ich hätte gerne nur deutschen Wein im Angebot. Aber die Kunden fragen nach anderen Weinen, vor allem die aus den Zeitschriften.“ Deshalb gab es im Sortiment die üblichen Chilenen, Franzosen, Spanier und Italiener. Dass das Gourmet-Restaurant Quadriga im Brandenburger Hof zu Berlin eine Weinkarte mit 850 deutschen Weinen aufgelegt hat, war seinerzeit eine Meldung und die Auszeichnung „Weinkarte des Jahres 2003“ im Gault-Millau wert. Erst als amerikanische Kritiker die deutschen Rieslinge des Jahrgangs 2004 aufs Podest hoben, regte sich das Interesse. Parkers Anerkennung hat weltweit für einen Riesling-Boom gesorgt, der noch anhält. German Riesling soll in New York das In-Getränk überhaupt sein, glaubt man deutschen Winzern, die dort ihre Weine präsentiert haben.
Fußball spielt mit
Für Bernd G. Siebdrat, der vor vielen Jahren eine Importfirma für hochwertige ausländische Weine gründete und bis vor kurzem keinen einzigen Tropfen aus Deutschland im Programm hatte, führt an deutschen Weinen „kein Weg mehr vorbei“. Deshalb hat er mit einem jungen weinbegeisterten Franzosen eine Partnerfirma ins Boot geholt: Deutschwein Classics. Klingt etwas ungelenk, aber wenigstens nicht Denglisch! Siebdrat meint auch, dass die Fußball-Weltmeisterschaft einiges dazu beigetragen habe, dass die Deutschen wieder mehr Stolz auf die eigenen Produkte empfinden. Und Wein sei ja im Genussbereich das einzige, was international eine Rolle spiele. Jetzt sind wir ja noch Handballweltmeister. Da kann es also nur besser werden.
Es ist so: Wir sind erst von unseren Produkten überzeugt, wenn andere davon überzeugt sind. Propheten im eigenen Land gelten wenig. Als wir 1999 die weinwelt auf den Markt brachten, hieß die erste Titelgeschichte: „Die neue Lust am Wein“. Diese Lust hat bis heute angehalten, und es gibt dazu eine neue Lust am deutschen Wein. Lange vor Parker haben wir in der Zeitschrift die deutschen Rieslinge über den grünen Klee gelobt. Sie waren und sind wieder Weltspitze. Es hat zwar etwas gedauert, aber heute weiß es jeder, der sich einigermaßen mit Wein auskennt. „Ich trinke keine deutschen Weine“, das sagen heute nur noch unverbesserliche Snobs und Ignoranten.
Der Trickle-Down-Effekt
In der Wirtschaft gibt es eine Theorie: Wenn es den Wohlhabenden nur gut geht, profitieren davon auch die Ärmeren. Das Geld sickert gewissermaßen nach unten durch. Derzeit ist es so: Das Ansehen der deutschen Weine ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, auch und gerade international. Auf die Preise hat sich das vorläufig noch kaum ausgewirkt. Dafür hat auch die Euro-Einführung gesorgt, die damals viele Winzer nutzten, um ein wenig an der Preisschraube zu drehen, besonders in den unteren Qualitätssegmenten (Literweine kosten heute leicht 5 oder 6 Euro, das waren früher mal D-Mark!). Bei einer Verkostung der „Großen Weine“ des Pfälzer Barrique-Forums gab es ausgezeichnete Spätburgunder – Barrique-Ausbau, wohlgemerkt – und andere Köstlichkeiten teilweise für 11 oder 16 Euro; mancher Weißwein war gar für weniger als 10 Euro zu haben. International gesehen ist das geradezu spottbillig. Denn diese Weine sind die Königsklasse! In Burgund geht es da erst los, schon ein einfacher Pommard ist nicht unter 30 Euro zu haben! Weinliebhaber sollten die Chance nutzen, kräftig zu kaufen – oder zu investieren. Nur Winzer, die einen starken Kundenstamm im Privatgeschäft haben, werden zögern, die Preise hochzusetzen (Taktik: jedes Jahr ein bisschen mehr …). Denn wie man weiß: Nichts ist so mächtig wie ein Idee, deren Zeit gekommen ist. Und für den deutschen Wein scheint die Zeit der steigenden Nachfrage endlich gekommen zu sein.
Rolf Klein
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