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| „Hammanich“ |
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Kleins Kolumne - April 4/07
Wir sind gewöhnt, zu jedem Zeitpunkt jedes gewünschte Produkt zu bekommen. Die Freigabe der Ladenöffnungszeiten sowie der wachsende Internet-Markt zeigen dies. Natürlich: Warum soll der Konsument sich nach irgendwelchen Geschäftszeiten richten? Wenn uns urplötzlich die Kauflust überfällt, schlagen wir zu. Erlebniseinkauf eben. Und die Jahreszeiten? Wenn es im Januar auf dem Markt Erdbeeren und im Herbst Spargel gibt, dann liegt es nicht daran, dass ein paar verrückte Marktleute das so schön finden – sondern daran, dass diese Ware gekauft wird, auch wenn ein Pfund Erdbeeren vier oder fünf Euro kostet.
Beim Wein gilt das normalerweise auch. Der Kellermeister aus Hautvillers, Dom Pérignon, erfand ja gerade deshalb das Prinzip der Cuvée, also der Mischung von Weinen verschiedener Jahrgänge und Sorten, weil der König seinen Wein immer genau so haben wollte wie den vorigen. Wer hätte sich getraut, dem König zu gestehen: Sire, in diesem Jahr haben wir leider Pech, der Wein ist viel sauerer geworden? Die Nahrungsmittelindustrie hat uns daran gewöhnt, dass die Produkte immer gleich schmecken. Wiedererkennbarkeit nennen die Marketingleute dieses Grundprinzip der Markenqualität. Da weiß der Kunde, was er hat.
Immer dasselbe
Beim Wein gibt es beide Philosophien. Markenweine, wie sie im Supermarkt angeboten werden, sollen immer das gleiche Geschmacksbild treffen, damit der Kunde bei der Stange bleibt. Da die Herkunft und genaue Bezeichnung für diese in Großkellereien erzeugten Weine – in der Regel Verschnitte aus gleichen Herkünften – eine geringe Rolle spielen, haben die Kellermeister viele Spielräume. Ob also ein – sagen wir – Bongeronde in einem Jahr ein Vin de Pays d’Oc oder in einem anderen ein Côteaux du Languedoc AOC wäre, ist praktisch egal, Hauptsache, er schmeckt gleich. Die Marke ist der Name, nicht die Herkunft.
Auch beim Champagner und sogar beim Bordeaux versuchen die Erzeuger, Jahr für Jahr den „Stil des Hauses“ zu treffen. Beim Champagner dürfen dazu auch Grundweine aus älteren Jahrgängen verwendet werden, die Réserve-Weine. Daher tragen die meisten Champagner keine Jahrgangsbezeichnung. Was der Qualität natürlich keinen Abbruch tut. Überhaupt ist das Kunst. Wie jeder weiß, der eine Speise exakt genau so hinkriegen will wie beim letzten Mal. Dazu braucht man Erfahrung du Know-how. Wie Muttern, bei der es ja immer schmeckte (und nie anders schmecken sollte, im Gegenteil!).
Keine Wiederholung
Dem steht die Grundtendenz jedes Naturstoffs entgegen, der von vielen Faktoren abhängt und immer wieder anders ausfällt. In einem Jahr sind die Äpfel klein und sauer, im nächsten saftig und groß wie eine Männerfaust. Beim Wein sagen die meisten Liebhaber auch: variatio delectat, die Spannung liegt im Unterschied. Das Dumme: Dem mit der Jahrgangstabelle bewaffneten Weinfreund, der natürlich immer nur „das Beste“ sucht, entgehen viele Weine, die auch hervorragend sind. Auch „kleine“ Jahrgänge bieten viel Freude. Dabei drücken große Weine die Unterschiede oft stärker aus als kleine. 2006 ist ein Jahr der knappen Mengen. Für die Ratzenbergers, Winzer am Mittelrhein, fällt in diesem Jahr der „Caspar C“ flach, ein Riesling mit besonders knackiger Säure, im Ausland sehr gefragt. Es gibt einfach keinen Wein, der in das Schema passt. Gar nicht so leicht, den Kunden das zu erklären und ihnen einen anderen Wein schmackhaft zu machen, etwa die Spätlese von der Wolfshöhle.
Ausverkauft!
Dass es diesen oder jenen Wein diesmal nicht so wie gewohnt geben wird, werden wir bei diesem Jahrgang des öfteren hören, ebenso den Satz: „Dieser Wein ist leider schon ausverkauft.“ Es liegt an den kleinen Mengen. Und daran, dass die Weine eben gut sind. Freuen wir uns, dass beim Wein eben nicht alles jederzeit möglich ist. Leider ist auch die Erzeugung beliebiger Mengen davon nur Wunschdenken oder das Resultat besonders kreativer Kellermeister. Verglichen mit früher sind die Schwankungen minimal. Totale Ausfälle kennen wir gar nicht mehr. Winzer, die gar nichts abfüllen? Angelo Gaja, der Kultwinzer ais dem Piemont, verzichtete 2002 auf eigene Abfüllungen und verkaufte seine Weine an andere Abfüller. (Wer sonst kann sich das leisten?) In Deutschland hat es seit den 1990er Jahren zwar schwierige, aber niemals schlechte Jahrgänge mehr gegeben. So gesehen, müssen wir ertragen, dass es manche Weine nicht so gibt wie in anderen Jahren. Aber das ist gerade das Gute.
Rolf Klein
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