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Kleins Kolumne März - 4/07

Bekanntlich ist Deutschland, aller Unkenrufe zum Trotz, seit mehreren Jahren „Exportweltmeister“. Das heißt, dass sich die Produkte trotz angeblich viel zu hoher Produktionskosten und Löhne doch recht konkurrenzfähig präsentieren.
 
Ähnlich die Weine, wie unmittelbar vor Beginn der größten Fachmesse für Wein und Spirituosen, der Düsseldorfer ProWein (18.-20. März) bekannt wurde. 2006 erreichten die Weinausfuhren eine Menge von 290 Millionen Liter (bisherige Höchstmarke: 1984 mit 293 Millionen Liter). Im Wert gab es eine Steigerung um 18 Prozent auf 561 Millionen Euro. Das ist der bisherige Rekord. Kleine Einschränkung: Als Export zählen in der Statistik auch ausländische Weine, die in Deutschland nur abgefüllt werden, eine recht beliebte Praxis. Die Weine kommen im Tankcontainer aus Australien oder Rumänien und werden nach der Abfüllung beispielsweise in britische Supermärkte geschickt.
 
Großbritannien ist Spitze
 
Vielleicht ist deswegen das Vereinigte Königreich unter den Märkten Spitzenreiter (82 Millionen Liter, 128 Millionen Euro). Das Interessante: Vor allem im Bereich der höherpreisigen Weine gab es eine Wertsteigerung um 1,2 Prozent. Mehr und mehr werden dort Weine im Mittelpreissegment angeboten. Man erinnere sich: Einst galten die deutschen Weine als „cheap and sweet“. Durch beharrliche Arbeit haben die Exporteure und das Deutsche Weininstitut den Trend umgekehrt. Das ist ein beachtlicher Erfolg, über den sich auch Michael Prinz Salm-Salm freut, der Chef des VDP. Am Ende seiner langen Amtszeit (im Juli wird ein Nachfolger gewählt) sagt er: „Als Deutsche haben wir mit unserer unverwechselbaren Weinkultur und dem Terroir einen Schatz, den wir nur polieren müssen, um ihn nach vorne zu bringen.“
 
Ein bisschen mitgeholfen haben dabei amerikanische, viel beachtete Kritiker. Die Exporte in die USA (fast nur Riesling) haben die 100-Millionen-Euro-Grenze übersprungen, ein Plus von sage und schreibe 29 Prozent. Man wundert sich einigermaßen, dass in der Wirtschaftspresse so ein Erfolg nicht gebührend gefeiert wird. Aber klar, diese Steigerung ist ja nicht durch irgendwelche Übernahmen und die Streichung Tausender Arbeitsplätze  erreicht worden, wie das heut zu Tage Mode zu sein scheint, sondern durch hartnäckiges Feilen an der Qualität und gute Kommunikation. Stimmte die Qualität nicht, Parker hätte keinen Finger gerührt! Es geht hier also nicht um Börsenblasen, sondern um echte Wertschöpfung. Eine solide Grundlage für die Zukunft.
 
Wer auf den Geschmack gekommen ist
 
Ich wage die Prophezeiung: Auch Amerikaner, die die wunderbaren Eigenschaften der deutschen Rieslinge erkannt haben, werden dabei bleiben. Der Rieslingboom ist nur der Anfang. Die Vorteile der vergleichsweise geringen Alkoholgehalte – welche Weinherkunft bietet so viel Geschmack für so wenig Promille? – und des Verzichts auf neue oenologische Verfahren können noch stärker ins Feld geführt werden. Das scheint auch für Skandinavien zu gelten, die Region der Monopole. In Norwegen ist Deutschland seit 2005 die Nummer eins bei den Weißweinen, die Ausfuhren in skandinavische Länder haben sich im Wert um 20 Prozent vermehrt. Sogar der niederländische Markt entwickelt sich freundlich, er ist der drittwichtigste in der Statistik: 17 Prozent Plus, 69 Millionen Euro. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal ein gemütlich über die Autobahn zockelndes Wohnwagengespann mit gelbem Kennzeichen überholen.
 
Na, und wir? Wir trinken immer lieber immer bessere Weine. Es werden laut GfK höherwertige Weine eingekauft. 31,5 Prozent der Haushaltsausgaben für alkoholische Getränke werden in Wein „investiert“. Zum Vergleich: Bier, dessen Pro-Kopf-Verbrauch viel höher ist als der für Wein, schlägt mit 29,6 Prozent zu Buche.
 
Fazit: Im Wein steckt Wert. Das ist so, weil deutscher Wein so gut ist wie noch nie. Und etwas wirklich Gutes lässt sich auch der geizgeile Deutsche etwas kosten. Denn: Er kauft gerne beim Winzer direkt. Und gibt dort im Schnitt mehr aus als im Supermarkt oder Discounter (4,83 Euro gegenüber 2,35 Euro pro Liter). Der Anteil der deutschen Weine am privaten Konsum liegt bei 51,3 Prozent. Wenn man bedenkt, dass beinahe ein Drittel der Ernte exportiert wird, ist diese Quote gar nicht übel. Würde man deutsche Weine ins Rating- und Börsendeutsch übersetzen, müsste man bei solchen Entwicklungen wohl ein AAA geben.

Rolf Klein